Die EU-Kommission hat die Zulassung für den Anbau einer gentechnisch veränderten Plfanze erteilt, das erste Mal seit 12 Jahren. Amflora heißt die Kartoffel, die Dank gentechnischer Eingriffe ausschließlich Amylopektin, eine Form der Stärke, produziert, die wiederum zur Herstellung von Papier, Klebstoff und Textilien verwendet werden kann. Kurz und gut, Kartoffeln sind nicht nur zum Essen da. Amflora hat das Zeug dazu, zu einem wichtigen Rohstofflieferanten zu werden. Wären da nicht die Bedenken, dass genetisch veränderte Pflanze Schaden anrichten könnte. In diesem Fall erregt ein Resistenzgen gegen Kanamycin, das fest verankert in dem Erbgut von Amflora sitzt, die Gemüter der Kritiker (hierzu siehe Blog der taz). Kanamycin ist ein Antibiotikum, das unter anderem gegen Tuberkulose eingesetzt werden kann. Die Befürchtung ist nun, dass das Resistenzgen an Bakterien weiter gegeben wird, wodurch diese dann nicht mehr durch Kanamycin zu behandeln wären. In diesem Kontext soll nicht ausführlich darauf eingegangen werden, was dieses Resistenzgen in der Kartoffel verloren hat. Nur so viel: Das hat technische Gründe, ist allerdings nach dem heutigen Stand nicht mehr zwingend notwendig. Notwendig ist es allerdings, diese Befürchtungen ernst zu nehmen.
Welches Szenario entwerfen die Kritiker? Wovor geben sie vor, warnen zu müssen? Wie soll ein Gen aus einer Kartoffel die Eigenschaften eines Bakteriums verändern? Wie soll aus der Erbsubstanz der Kartoffel etwas herausgebrochen werden oder heraus fallen, von einem Bakterium aufgenommen undsoweiter? Es ist bekannt, dass Bakterien untereinander kleine DNS-Mengen auszutauschen können und so auch Resistenzen gegen Antibiotika weitergegeben. Hierbei handelt es sich um sogenannte Plasmide, um zumeist ringförmige DNS-Moleküle, die neben dem Genom des Bakteriums ein mehr oder weniger unabhängiges Dasein fristen. Plasmide haben eine bestimmte Struktur. Sie werden innerhalb eines Bakteriums vermehrt. Sie können an andere Bakterien weiter gegeben werden. Dadurch werden Eigenschaften die das Plasmid vermittelt, ebenfalls weitergegeben. In Laboren sind sie übrigens ein unverzichtbares Werkzeug, um DNS zu vermehren. Zurück zum Thema: Wie soll aber ein Gen aus einer Pflanze auf ein Bakterium übertragen werden?
Szenario 1 – Bakterium verschmilzt mit Kartoffel: Angenommen, ein Bakterium setzt sich auf eine Kartoffel. Das Bakterium ist von einer Hülle umgeben, die Kartoffelzelle auch. Nun müssten Bakterium und Kartoffelzelle einen Weg finden, ihre jeweiligen Barrieren zu durchbrechen, um miteinander zu verschmelzen.
Szenario 2 – Bakterium nimmt Gen aus Kartoffel im Verdauungstrakt auf: Wenn also die Kartoffelzelle im Verdauungstrakt in ihre Bestandteile zerlegt wird, zerbricht früher oder später auch das Genom unter dem Einfluss der zersetzenden Säfte. DNS-Fragmente schwirren also durch den Darm, der tatsächlich von Bakterien besiedelt ist, schmiegen sich an die Hülle von Bakterien, werden schließlich aufgenommen undsoweiter.
Die Szenarien mögen unvollständig sein. Vielleicht gibt es auch noch ganz andere Möglichkeiten. Ich bitte um Ergänzungen. Vielleicht hat der BUND ja noch eine Idee oder jemand aus dem gentechnikfreien Kreis Paderborn. Danke.
Theddy Mondgarten
Vorsorge hat weder etwas mit Angst zu tun noch mit handgestrickten Szenarien was denn so alles passieren könnte.
Fest steht, dass Emsland-Stärke eine Kartoffel mit den gleichen Stärke-Eigenschaften ohne gentechnischen Eingriff und auch ohne Antibiotika-Resistenz bereits anbaut. Siehe dazu:
http://blogs.taz.de/saveourseeds/2010/03/02/amflora/
Es geht freilich der BASF, der Bundesregierung und schliesslich auch der EU Kommission ebenso wie ihren KritikerInnen bei der Amflora auch um allerlei Symbolik. Die läßt sich schwer auf Detail-Risiken und noch schwerer auf “Angst” reduzieren.